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Hof Bollbrügge

Hier seht Ihr ein paar Bilder vom Hof Bollbrügge so wie etwas über die Geschichte der Rundscheune.

Der Hof ist ganz schnell zur "Heimat" der Trikefreunde Bollbrügge geworden.

 

Die Rundscheune in Bollbrügge

-Bemerkungen zu ihrer Erbauung-

Auf dem Hofe Bollbrügge, Gemeinde Gremersdorf, Kreis Ostholstein, steht ein Gebäude, das in seiner Art einmalig in Schleswig-Holstein ist:eine runde reetgedeckte Scheune mit dicken Lehmwänden. In der kunstgeschichtlichen Literatur wird sie nicht erwähnt oder nur kurz abgehandelt, so heißt es in der ,,Kunst-Topographie Schleswig-Holstein":Rundscheune, mit dicken Mauern aus gestampften Lehm und kegelförmigen Reetdach. 2. Hälfte 18.Jh, während der,,Dehio" nur wenig mehr aussagt:,,Urtümlicher Ständerbau mit mächtiger Außenmauer aus gestampftem Lehm und hohem, reetgedeckten Kegeldach, 2. Hälfte 18Jh.
Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Rundbau von ca. 22,20m äußerem und etwa 20,30m innerem Durchmesser, so daß für die Lehmwand eine mittlere Stärke von annähernd 0,85m angeben werden kann. Die Gesammthöhe von der Oberkante des umgebenden Erdbodens bis zur Spitze einschließlich der Reetdeckung umfaßt etwa 16,30m. Die Lehmmauer steht auf einem 0,45m über der Bodenoberkante reichenden Feldsteinfundament und ist selbst 3,15m hoch. Sie ist 0,20m bis 0,30m starken Stampflehmschichten aufgeführt. Ihr oberer Abschluß wird an der äußeren Kante durch eine backsteinerne Läuferschicht, an der inneren Kante durch zwei Lagen luftgetrockneter Lehmziegel gebildet. Nur im Bereich der östlichen und westlichen Toröffnungen werden die Lehmwände beidseitig durch jeweils zwei, durch Riegel verbundene Ständer verstärkt. Die Außenseite der Wand ist mit einem Anwurf aus mit Häckel vermischten Lehmschlamm verputzt, der eine Dicke von durchschnittlich 1,5cm besitzt.
Das Tragwerk des Daches wird aus je neun, beidseitig der 4,50m breiten Durchfahrt stehenden Ständern gebildet. Der Abstand der Ständer untereinander verringert sich von 2,50m außen bis auf 1,85m in der Mitte. Jeweils in einem Abstand von 3,50m nach außen befindet sich parallel zu den vorgenannten Reihen nochmals je drei Ständer, die voneinander vier Meter entfernt stehen. In einer Höhe von 3,60m liegen Quer und Längsbalken auf, auf denen wiederum die Dachkonstruktion aufbaut. Die Sparren ruhen auf dieser Unterkonstruktion und werden am oberen Abschluß in weiteren 5,70m Höhe durch Kehlbalken gesichert. Hierauf steht abermals eine Sparrenkonstruktion, die in 5,55m Höhe spitz endet und insgesammt das kegelförmige Dach abschließt. Der untere Rand des Daches wird durch Aufschieberlinge nach außen gedrückt. Der Zwischenraum zwischen Lehmwand und Reetdeckung, die am unteren Abschluß bis zu 0,70m breit sein kann, wird durch ein Gesims aus Lehmflechtwerk gebildet. Das Dach weist einen Überstand von bis zu 0,95m gegenüber der Wand auf. Heute wird das Scheunengebäude als Schweinestall genutzt, wobei durch Bretterlagen ein Bodenraum abgetrennt ist, der als Lager für Futterstoffe dient. Die Eingänge sind durch zweiflügelige Holztore verschlossen. Zum Gebrauchswert der Scheune schrieb Oldekop:. . . starke Balken sind darin, der Gebrauchswert ist gering, da mit der Einfahrt viel Platz verlorengeht. Zu den anderen auf Bollbrügge vorhandenen Gebäuden bemerkt er, daß Pächterhaus, Meierei, Scheune, Wagenschauer, Schweinestall sowie Kuhhaus 1835 errichtet wurden und in 1896 ein neuer Pferdestall gebaut wurde.
Bollbrügge gehört seit dem 18.Jahrhundert u. a.  mit Kuhof, Gremersdorf und Lübbersdorf zu den jüngeren Fideicommißgütern, die von Eutin aus verwaltet wurden. Die ,,Herzöglich Schleswig-Holsteinische Fideicommiß-Administration zu Eutin" weist im Zusammhang mit Gebäudeabbrüchen auf dem Gute Lübbersdorf hin,  ,,ohnehin ist auf Bollbrügge ein Neubau höchst notwendig, weil der dort befindliche Kornspeicher dem Einsturze sehr nahe ist", und schlägt in diesem Zusammenhang vor, aus den Resten der in Lübbersdorf abzubrechenden Gebäude einen Neubau in Bollbrügge zu errichten. Herzog Peter Friedrich Ludwig entscheidet, daß es mit einem Neubau Zeit bis zum Bau-Etat des Jahres 1824 habe. Daraufhin wird die Idee nicht weiterverfolgt, sondern erst 1829 von Kammer-Rat Herbat wieder aufgegriffen.
Herbat schreibt:,,Schließlich darf ich darf ich zu erwähnen nicht unterlassen, daß für 1830 oder 1831 noch 3 nothwendige, zum Theil von Seiner Herzoglichen Durchlaucht Höchstselbst als solche schon anerkannte Neubauten werden Statt finden müssen, nämlich: 1. Pferdestall auf Coselau,  2. Viehhaus auf Bollbrügge,  3. Scheune auf Lübbersdorf. "Mündlich und schriftlich hätten sich die zuständigen Verwalter deshalb schon des öfteren an die Regierung gewandt, doch seien die Bauten bisher immer abgelehnt worden.
Auch auf diesen Hinweis erfolgt keine offizielle Reaktion.
Ein Neubau für Bollbrügge wird erstmals ausdrücklich in den Bericht der Fideicommißgüter-Administration für den Bau-Etat 1831 aufgenommen;nunmehr soll aus wirtschaftlichen Gründen jedoch eine Scheune errichtet werden.
In diesem Bericht heißt es: ,,2. Der Bau einer Scheune zu Bollbrügge, veranschlagt zu 1460 rh könnte für den Fall, daß Eure Königliche Hoheit eine Verpachtung der Höfe Krempsdorf mit Bollbrügge gemeinschaftlich verfügen würden, wol unterbleiben, allein hart würde es seyn, einem Pächter einen Gebäuderaum zu versagen, den ein vieljähriger Administrator für unentbehrlich erachtet, und hinzu kommt, daß man durch Benutzung der von Verwalter Lentz erworbenen Erfahrungen im Lehmbau einen Bau ausgeführt bekömmt, der später bewilligt, ein Beträchtliches mehr kosten würde.
Ausführlich geht der Eutiner Kammer-Rath Hofmeister in seinem Commissional-Bericht zu dem Bau-Etat 1831 auf das Problem eines Neubaus in Bollbrügge ein. ,,In diesem Etat sind drei neue Gebäude veranschlagt, nemlich an:Hofgebäuden, nur für Bollbrügge eine Scheune, welche 200 Fuder Korn faßen kann. Die Nothwendigkeit eines Neubaus auf diesem Hofe war schon längst so sehr anerkannt, daß dazu 1805 Mauersteine und Kalk herbey gefahren waren, welche Materialien aber, da immer noch nothwendigen Bauten weggekommen waren, dazu verwendet worden sind. Seit vielen Jahren nun hat der Verwalter auf den Bau eines Kuhhauses angetragen, weil das Hornvieh dreien(?) Ställen vertheilt steht, nemlich in einem kleinen Kuhhause und dem Anbau der Scheune. Im Falle ein großes Kuhhaus erbaut wäre, würden jene Gebäude als Scheunenraum zu benutzen seyn, denn ein Drittheil der Erndte muß allemal in Diemen aufgesetzt werden. Da ein solches Kuhhaus einen weit größeren Kostenaufwand als der Bau  einer Scheune erfordert, so bittet der Verwalter nur, daß ihm gestattet werde, eine solche von Lehm zu erbauen, nur dazu hat der Baumeister(. . . ) jedoch nur summarisch vorläufig 1500 rthlr und nach Abzug der aus den Forsten zu liefernden Latten und Schäfte, (. . . )veranschlagt 1460 rtlhr. Dieser Bau dürte wohl zu genehmigen seyn, und es ist zu vermuthen, das der Verwalter Lentz die Baukosten noch zu beschränken wissen wird, denn von den veranschlagten 210 rt Maurerlohn sind kaum 30 rt aufzuwenden, und die Aufführung der Lehmwände wird durch Tagelöhner bestritten, aber noch nicht 80 rt erfordern. Der Baumeister hat den detaillirten Anschlag und Riß noch nicht beigefügt, weil der Verwalter ihm zuvor einen Anschlag über die ihm unbekannten Kosten des Auflehmens der Wände mittheilen muß, und daß man diese mit Vertrauen dem Verwalter überlassen kann, davon hat er durch anderen nun schon aufgeführten Gebäuden dieser Art, den Beweis gegeben."
In demselben Bericht wird von Hofmeister ferner noch der Bau zweier Hufnerwohnhäuser in Wandelwitz befürwortet, die ebenfalls in reiner Lehmbauweise errichtet werden sollen. In einem ,,Unterthänigsten Pro Memoria" vom 3. 8. 1831 wird von der Regierung in Oldenburg i. O.  der Versuch mit der Lehmbauweise für sinnvoll erachtet, so daß Großherzog August schließlich verfügt:
,,1. Die Scheune in Bollbrügge ist von Lehm zu erbauen"obwohl zunächst-im Entwurf der Verfügung nun durchgestrichen-erlassen werden sollte: ,,Die Scheune in Bollbrügge mag von Lehm gebaut werden"und 2. Ebenso mag bei den beiden Hufen-Gebäuden in Wandelwitz und Sipsdorf ein Versuch mit Lehmwänden gemacht werden".
Die Baukosten gemäß des Kostenvoranschlages für die Bollbrügger Scheune, die Hofmeisters Bericht mit einer Gesammtsumme von 1460 rthlr angab, konnten ausweislich der Baurechnung um fast 328 rthlr unterschritten werden, da der Bau nur 1131 rthlr 40ß kostete. Die vom Verwalter E. W. Lentz am 17. 1. 1835 erstellte Rechung lautet wie folgt:

 

Aufgrund der einzelnen in der Abrechnung aufgeführten Positionen läßt sich mit einiger Sicherheit der Ablauf des Baues nachvollziehen. Voraussetzung ist jedoch, daß die angegebenen Daten ungefähr den wirklichen Abschluß der jeweiligen Arbeitsleistungen widergeben.
Mauerermeister Harms aus Oldenburg beginnt unter Anleitung des Verwalters Lentz zunächst mit der Zubereitung des Lehmmaterials(Mauermann zupflegen=helfen)und nimmt sofort die Lehmwände in Arbeit, nachdem die Feldsteinfundamente gelegt sind. Die Errichtung der Lehmwand, die etwa 200cbm Material umfaßt, war spätestens um den 5. September herum abgeschlossen;sie mußte nur einige Zeit trocknen. Zwischenzeitlich wurde aber schon begonnen, die luftgetrockneten Lehmsteine, die den inneren Abschluß der Wand bilden, zu formen(3000 Lehmsteine streichen, 11. Juli). Während die Wand noch aufgeführt wurde, waren wohl schon im Juli die ersten Zimmermannsarbeiten in Angriff genommen worden(Zimmermann Kortum, 9. August). Kurz vor dem 5. September war das Dachgerüst soweit fertiggestellt, daß das Gesims aus Lehmstaken eingebaut werden konnte(25. August:,,für Weiden" an Dunker;5. September,,Lehmstaken unter den (Ecken)". In dieselbe Zeit fällt auch der Beginn der Reetdeckung, da die erste Lieferung, die 12000 Bunde Reet umfaßt, am 5. September abgerechnet wurde und Dunker schon am 23. August für das Decken entlohnt wurde. Eine zweite Reetlieferung wurde am 1. November beglichen;es hat den Anschein, als habe sich der Verwalter Lentz sich zunächst mit der erforderlichen Reetmenge verkalkuliert. Nach einer ausreichend langer Trocknungszeit wird dann im Oktober die Wandfläche verputzt worden sein(29. Oktober:,,Die Lehmwand besetzen mit zupflegen")und mit der Herstellung der Tenne begonnen worden sein, wobei im Laufe des Novembers die Arbeiten an der Scheune endgültig beendet worden sind, da für den 26. November die letzte Abrechnung einer Arbeitsleistung nachzuweisen ist. Überschlägig ist aufgrund der einzelnen Abrechnungspositionen zu kalkulieren, daß eine unbekannte anzahl von Personen in dem Zeitraum von Mitte/Ende April bis Anfang/Mitte November, also längstens innerhalb sieben Monate, mit der Errichtung der Scheune beschäftigt war.
Die verschiedenen Arbeitschritte beim Lehmbau verdeutlicht ein zeitgenössischer Bericht aus dem Jahre 1831. Für den uns unbekannten Verfasser haben massive Bauten sowie Fachwerkgebäude trotz ihrer Vorteile in der Beständigkeit einen schwerwiegenden Nachteil:Sie sind bei der Errichtung und der notwendigen Unterhaltung zu kostspielig, so das die Pacht z. B.  für eine Landstelle niemals die Baukosten wieder aufbringen kann. ,,Mich dünkt, wahrlich Grund genug, um einzusehen, daß die bisherige Bauart nichts taugt und man auf eine andere wohlfeile Bedacht nehmen muß".
Als Beispiel für Lehmbauten der jüngeren Zeit führt er ,,mehrere Häuser im Gute Waterneversdorf, eine Hufnerscheune im Gute Seegalendorf, eine andere im Gute Kremsdorf, eine Landistenwohnung im Gute Wohrendorf, eine Hufnerscheune im Dorfe Poßau, Guts Rastorf, ein Hufnerhaus in Großenbrode, Guts Löhrstorf, und eine Kathe für eine Familie im Gute Bollbrügge an.
In der Folge geht der Verfasser näher auf die Technik des Lehmbaues ein. die Außenmauern dürfen keinesfalls aus luftgetrockneten Lehmziegel aufgesetzt werden, da diese der Witterung eine zu große Angriffsfläche, insbesondere der Fugen wegen, bieten und deshalb nicht haltbar genug sind. Es ist kalkfreier, magerer Lehm zu verwenden, wobei es nicht notwendig ist, diesem Stroh beizumengen, was aber auch nicht schaden kann. Leicht sind die Wände aus freier Hand aufzurühren, einziges Hilfsmittel braucht ein Lot zu sein. Voraussetzung für die Haltbarkeit des Gebäudes ist, daß die untere Lehmschicht gut getrocknet ist, bevor ihr eine weitere aufgesetzt wird. Ungleichmäßige Ausformungen wie Buckel oder Löcher in den Wänden können schließlich abgeschabt werden, wozu für letzteres eine Mischung aus feinem Häcksel und Lehm zu benutzen ist, die sehr dünn auf die Wand aufgetragen wird. Die Arbeiten an der Wand werden beendet, indem man die getrockneten Wände mit einer Lehmbrühe abwäscht und so gleichmäßig einfärbt. Obwohl es nicht notwendig ist, die Lehmwand mit einem Feldsteinsockel zu fundamentieren, ist dies aber von Vorteil, da dadurch die Lebensdauer der Wand erhöht wird. Gegenüber dem Massivbau ist bei dem reinem Lehmbau eine Dachkonstruktion anzuwenden, die die entsprechenden Kräfte nicht in die Wände ableitet, da diese nicht so sehr belastbar sind. Es ist zusätzlich darauf zu achten, daß das Dach einen möglichst langen Überstand erhält, um die Wand weitgehenst vor Regen zu schützen. Innenwände könnenohne Bedenken aus getrockneten Lehmziegeln errichtet werden, auch können bei ihnen auf Feldsteinfundamente verzichtet werden.
Wir sehen, daß der Verwalter Lenz überwiegend die Bollbrügger Scheune in der beschriebenen Weise errichtet hat. Er konnte ohne weiteres ein kegelförmiges Sparrendach benutzen, da die Hauptlasten über die im Inneren der Scheune befindlichen Stiele und Ständer abgeleitet werden und nur geringere Kräfte auf die Lehmwände einwirken. Sollte E. W. Lentz vielleicht sogar der Verfasser des Artikels sein, in dem mehrmals Bauten  aus Wagrien erwähnt werden?
E. W. Lentz war der Verwalter auf dem Gut Kremsdorf und hatte reiche Erfahrungen in der Lehmbautechnik gesammelt, wie verschiedene Berichte aus der Administration der Großherzoglichen Fideicommißgüter zeigen. Mit beginn des Jahres 1832 wurde Lentz dann zum Oberinspector auf Kuhof ernannt.
Zum ersten Male ist die Lehmbautechnik in den Akten der Fideicommiß-Güter-Administration für das Jahr 1828 nachweisbar, indem Herzog Peter Friedrich Ludwig zum Bau eines Hauses in der Sollskamp-Hufe in Dannau erklärt:,,Die Aufführung solcher Gebäude von Lehm scheint, wegen der jährlich erforderlichen Ausbesserungen, für die Gutsherrschaft nicht vorteilhaft".
Im Bericht zum Bauetat 1829 wird erneut vorgeschlagen, die Lehmbautechnik anzuwenden;diesmal für drei 1830 zu errichtende Scheunen:,,Zugleich dürfen wir darauf antragen, daß der im Commissional-Bericht erwähnte Bau zweyer Scheunen in Langenhagen und einer Scheune in Casseedorf, und zwar von Lehmwänden, zur Ausführung im nächsten Jahre, der erforderlichen Vorbereitungen wegen, schon jetzt genehmigt werden möge". In dem zugehörigen Commissional-Bericht geht Kammer-Rath Herbart kurz auf die Vorzüge des Lehmbaus ein. ,,Diese Bauart kömmt hier immer mehr in Aufnahme;sie ist sehr zweckmäßig und weniger kostspielig als Massiv oder Fachwerkbau". In dem Bericht zu den Baukosten des Jahres 1830 wird dann nochmals auf die oben genannten Bauten eingegangen und E. W. Lentz wegen seines Geschickes gelobt. ,,Die Ersparung von wenigstens 500 rh ist ein, dem Verwalter Lentz zu Kremsdorf gebührender Verdienst, dem, da er schon Beweise einer tüchtigen Leitung der Bauart mit Lehmstroh gegeben hatte, die Ausführung jener Bauart überlassen werden konnte, und obgleich die unerhört ausfallende Nässe der Ausführung des Lehmbaus große Hindernisse in den Weg legt, so hat er es durch angemessene Vorkehrungen dennoch möglich machen zu machen gewußt, daß die Außenmauern, wieselbst der Baumeister, bey der kürzlich vorgenommenen Nachbesichtigung es gestand, untadelhaft sich zeigten und daß das Haus noch im Herbst bezogen werden konnte, dessen Bewohner Feuchtigkeit weniger beachtet hatten als diejenigen des zu Casseedorf von Fachwerk ausgeführten(. . . )Hufnerhauses. Wenn wir diese Bauart nicht in größerer Ausdehnung, als bisher geschehen, in Vorschlag bringen, so liegt der Grund davon allein in dem Mangel eines, der Ausführung kundigen Leiters und darum mußte im Gute Coselau bey den Gebäuden No. 2 und 3 zu der Bauart von Lehmsteinen Zuflucht genommen werden, welche auch in einiger Hinsicht Vorzug gewährt, die den größeren Aufwand an Mauererlohn vielleicht aufwiegen". In dem selben Jahr mußten wegen großer Sturm-und Hagelschäden mehrere Gebäude auf den großherzoglichen Gütern neu aufgebaut werden, darunter auch ein Hufnerhaus in Gremersdorf, das E. W. Lentz in Lehmbauweise zu errichten hat.
,,Unter verhoffter Höchster Genehmigung haben wir den Verwalter Lentz beauftragt, dieses Gebäude ganz mit Lehmwänden wieder aufzubauen, indem dieser sich für solche Bauart so interessirt, daß ma füglich dabei eines Baumeisters entbehren kann, umso mehr, als die gelehrten Architekten dieser Baumethode, welche gleichwohl, wie viele Beispiele schon gezeigt haben, der Sache sehr angemessen ist, aber abgeneigt scheinen, weil sie bei derartigen ländlichen Gebäuden ihre erlernten Kenntnisse nicht entwickeln können". In diesem Falle wurden über 500 Reichstaler gegenüber dem Kostenvoranschlage eingespart, was wiederum sowohl E. W. Lentz als auch der Lehmbauweise zu gute gehalten wird.
Da Lentz so überzeugende Leistungen geliefert hat, wird ihm für 1831 der Bau der Scheune in Bollbrügge und zweier Gebäude in Wandelwitz und Sipsdorf aufgegeben. Der großartige Erfolg, insbesondere beim Bau der Bollbrügger Scheune, wird anerkannt und zum Anlaß genommen, den Lehmbau weiterhin anzuwenden. So wird mit Datum vom 26. 12. 1831 von Kammer-Rath Hofmeister abermals der Lehmbau hervorgehoben.
,,Der Lehmbau ist von den Regierungen vieler Länder den Unterthanen zur Befolgung dringend empfohlen und dessen Zweckmäßigkeit auch schon in den Großherzoglichen Gütern erprobt, und weil in diesen Gütern Sorge getragen werden muß, daß den Unterthanen durch Arbeit Verdienst geschaft werden und desfalls sich oft dringende Verlegenheiten sich ergeben, so wird hier diese Bauart auch dann noch Vorrang verdienen, wenn sie kostbarer als der Fachbau wäre(. . . )und zudem sind den Hufnerpächtern, welche ihre Gebäude zum Theil erhalten müssen, die Lehmgebäude weit vortheilhafter, weil sie solche Wände selbst ausbessern können, sie zur Ausbesserung der Fachwände der Brandtmauern aber Handwerker bezahlen, solchen Zupflegern zu stellen, und sie die von der Herrschaft bezahlten Materialien anfahren müssen". Anders als sein Vorgänger verfügt Großherzog August für das Jahr 1832:,,es ist überall die möglichste Oekonomie anzuwenden;deshalb nur das notwendigste zur Ausführung zu bringen, und der Lehmbau besonders in Aufnahme zu bringen".
Ein zweites Mal muß sich die Fideicommißadministration im Jahre 1832 mit Neubauten beschäftigen. Im Vorjahre war die Verpachtung der Höfe Kremsdorf mit Bollbrügge und Lübbersdorf auf Maitag 1832 angeregt und sie für die Güter Halendorf, Bergfeld sowie,,Kremsdorf mit Bollbrügge, zusammen etwa 800 Tonnen groß, zwischen Oldenburg in Wagrien und Heiligenhafen belegen"öffentlich ausgeschrieben worden. Vom 1. Mai 1832 an soll der Hof Bollbrügge, getrennt vom Gute Kremsdorf, auf zehn Jahre dem ,,Oeconomen Krause", der früher auf Sievershagen tätig war, für einen jährlichen Zins von 1350 Reichstalern verpachtet werden. Vom Großherzog wird nur der Umbau der Holländerei zu einer Pächterwohnung genehmigt, obwohl die Fideicommißadministration kurz vorher auf den schlechten Zustand der Bollbrügger Gebäude hinwies und eine Verbesserung vorschlug. Mit Datum vom 15. 1. 1832 gibt Kammer-Rath Hofmeister einen ausführlichen Bericht ,,Ueber die projectirten baulichen Einrichtungen auf dem nunmehr verpachteten Hofe, Bollbrügge" ab. Da Bollbrügge seit undenklichen Jahren immer mit Kremsdorf zusammen verpachtet war und von dort aus bewirtschaftet wurde, sind die in Bollbrügge vorhandenen Gebäude baufällig und schlecht nutzbar, so daß einem Pächter die alleinige Bewirtschaftung bei den vorhandenen Bebäuden nicht zugemutet werden kann. Einzige Neuerung sei die runde Lehmscheune, die voriges Jahr gebaut wurde. Hofmeister fordert daher den Neubau eines Wohnhauses mit Meierei, eines Pferdestalles und eines Anbaues für die Kleinviehhaltung. Außerdem müßte, um dem Hof die notwendige Geschlossenheit zu geben, sowie aus anderen Gründen, die Landstraße etwas verlegt werden. Die Neubauten kalkuliert er auf 2000 rthlr, Umbauten der vorhandenen Gebäude lehnt er als nicht gerechtfertigt ab. Ein ,,Unterthänigstes Pro Memoria" der Regierung in Oldenburg bestärkt Hofmeisters Vorschlag:,,Für den Neubau auf dem Hof Bollbrügge stimmen die Commissarius und die übrigen Mitglieder des Collegii und glauben, daß davon die fernere Pacht abhängig ist. Außerdem führen sie auch andere erhebliche Gründe an, denen hier wohl keine gleich erhebliche entgegen gesetzt werden können. Daher müßte das Opfer - so scheint es wenigstens für den Augenblick und wenn die Richtigkeit der Vorraussetzung des Commissaius sich zu Zweifel ziehen lassen - wohl gebracht werden. Nach Großherzoglicher Genehmigung vom 25. 2. 1832 wurden dann die bei Oldekop erwähnten Bauten in Angriff genommen. Ein zweiter Lehmbau wurde auf dem Hofe Bollbrügge jedoch nicht mehr errichtet. Von dem im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts nachweislich ausgeführten Lehmbauten im Ostholsteinischen gibt allein die Bollbrügger Rundscheune Zeugnis ab. Sie sollte uns veranlassen, sie als Denkmal für eine kurzzeitg angewandte besondere ländliche Bauart und als Nachweis für das Schaffen unbekannter Bauleute - wie es der Verwalter E. W. Lentz einer war - zu erhalten und zu pflegen, damit 2011 noch ihr 180 - jähriges Bestehen begangen werden kann.